GALLIS ERBE

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Es enthält die traditionellen Lieder der LP GALLIS ERBE (Zytglogge 1980), Live-Aufnahmen der Berner Folkgruppe GALLIS ERBE, Aufnahmen der Gruppe in wechselnder Besetzung, schliesslich auch einige Soloaufnahmen historischer Lieder von Urs Hostettler.

1 Peter von Hagenbach 3:04
2 I ha mys Müetli fast alles verloren 3:26
3 's Schötzeschmied-Anneli 5:12
4 Das alte Emmentaler Küherlied 1:29
5 Tellenlied 1653 2:41
6 Systemeflicker und Scharlatane 2:48
7 Dr Malterser 2:07
8 Ballade vom Fridli Buecher 5:56
9 Engelberger Aliwander 2:34
10 Ds Unterwaldner Meitli 2:55
11 Lungerner Schottisch 1:42
12 Muotathaler 2:13
13 Michel Brand 4:17
14 Zuger Aliwander 2:39
15 Tellenlied 1653 (alt. Version) 2:43
16 Der Blinde 3:02
17 Amerikalied 5:50
18 Vivat das Bärnbiet! (Fraubrunnen-Lied) 2:14
19 Die grosse Volksversammlung von Balsthal 2:26
20 Der Ritter Sankt Georg 4:49


GALLIS ERBE, die Band

URS HOSTETTLER: Gesang, Gitarre, Halszither, Amboss (3)
CHRISTOPHE GIRARDIN: Geige, Hirtenflöte, Gesang
KATHARINA SIEGENTHALER: Harfe, Mandoline, Trommel
SEPP REINHARDT: Gitarre, Gesang (Hauptstimme 5)
MÄRK WÜRMLI – Bass, Gesang

als Gäste URSULA MORELL: Gesang (2) und LUC MENTHA: Geige (2), Gesang (4), Mandoline (5).

Die Band formierte sich 1979, wir übten und spielten meist in Märks WG in der Alten Mühle in Schüpfen. Der Name nimmt Bezug auf Ueli Galli, den Eggiwiler Rebellen im Bauernkrieg von 1653, dessen Todesurteil auch das Cover unserer LP bildete.
Wir traten auf Konzertbühnen aber auch an Festen, dort vermehrt alte Schweizer Tanzstücke, ein Höhepunkt waren unsere sehr erfolgreichen Auftritte am Internationalen Folkmusic Festival in Kaustinen (Finnland).

Die Bandgeschichte erlitt im wahrsten Sinn des Wortes einen Bruch, als unser Bassist Märk sich wenige Monate für den Plattenaufnahmen 1980 beim Turnen beide Handgelenke brach.
Er fiel längere Zeit aus, wir traten ohne Bass auf (siehe/höre 9,11,12), für die LP verzichteten wir aus diesem Grund auf Instrumentalnummern.

Berufliche Einschränkungen machten die Planung von Auftritten und erst recht von Auslandreisen schwierig. Urs und Katharina musizierten mit anderen Leuten, GALLIS ERBE waren eine Patchwork-Band, und das war ganz gut so.

Auf dem Album sind zu hören:
SUSANNE HÜGLI - Gitarre (7), Schwyzerörgeli (8), Häxeschyt, Löffel, Gesang (10)
SUSANNE JABERG und THOMAS KELLER – Geige und Hanottere (12)
ADI TOSETTO – E-Bass (und Tonmeister) (13)
URS KLAUSER – Sackpfeife (14).


Aufnahmen

(1-6) LP 'Gallis Erbe' (Zytglogge 229, 1980)
(7,8,10) Live im 'Widder', Luzern
(9,11,12) Live im Bürenpark, Bern 1979
(13,14) Genossenschaft Fata Morgana in Bollement JU 1982, Technik Adi Tosetto
(15,16) Aufnahmen bei Urs Klauser, Bühler AR, 1983
(17-20) Heimaufnahmen Urs Hostettler, Bern 1999.


Über die Lieder

1 Der burgundische Statthalter Peter von Hagenbach wütete übel im Breisgau. Als er über Ostern 1474 seine Untertanen zur Fronarbeit zwang, zur Aushebung eines Verteidigungsgrabens um die Stadt Breisach, kam es zur Revolte. Die Breisacher nahmen Hagenbach gefangen, riefen die verbündeten Eidgenossen zu Hilfe. Vor 8000 Zuschauern, so die Berichte, wurde der Tyrann enthauptet. (AL 28)
2 Frauenlied nach einem alten Fliegenden Blatt, die Melodie hat Jakob Bohnenblust für den 'Röseligarte' komponiert. (AL 83)
3 Die Sage von der zum Pferd verzauberten Schmiedetochter reicht im luzernischen Schötz bis ins 15. Jh. zurück. (AL 26)
4 Eine der alten Berner Moll-Weisen (die anderen sind das Guggisberger Lied und der alte Emmentaler Hochzytstanz), die bei Schweizer Söldnern die Krankheit des Heimwehs verursachten und deshalb abzusingen verboten waren.
5 und 15 Zu Beginn der Aufstands der Landleute 1653 marschierten im Entlebuch Formationen von Knüttelmännern durch die Dörfer, um ihre Wehrhaftigkeit zu demonstrieren, an ihrer Spitze drei "Tellen". Ihre Umschrift von 'Wilhelm bin ich der Telle' macht klar, dass sie wie einst Tell die Rechte des Landes auch mit Waffengewalt verteidigen wollen. (AL 58)
6 Ein Protestgedicht von Christian Wälti, 1850. (AL 137)
7 Ein Ländler aus A.L. Gassmanns Sammlung, Katharina spielt ihn auf der keltischen Harfe.
8 Die Ballade des Willisauer Bauernführers Fridli Buecher, geköpft am 5. Juli 1653 in Luzern. Seine Hinrichtung wurde als besonders ungerecht empfunden, war er doch ein Mittler zwischen Luzernern und Bernern als ein Kriegsherr. Offenbar weigerte er sich - als wohlhabender Landmann - für seine Freilassung Lösegeld zu bezahlen. - Das Singen der Lieder der Aufständischen war verboten, die Ballade überlebte bis zu ihrem ersten Druck 130 Jahre im Volksmund, die erste Notation mit Melodie (von mir übernommen) stammt aus dem Jahr 1904. (AL 62)
9 und 11 Nach A.L. Gassmann, dem fleissigen Sammler von Innerschweizer Tänzen.
10 Das Liedchen stammt noch aus der Zeit der Viehdiebstähle unter den Talschaften. Im Entlebuch galten die Unterwaldner als notorische Viehräuber.
12 Da hatte der gestrichene Bass eine Hauptstimme. Leider ... Ringturnen ist gefährlich.
13 Lieder von Hexerei und Teufelsbündnissen sind in diesem Land äusserst selten. Dieses hat einen Autoren: den Sigriswiler Pfarrer Gottlieb Jakob Kuhn, um 1800. Trotz Angabe von Name, Ort und Ereignis konnte ich keinen historischen Michel Brand finden.
14 Keltische Harfe (Katharina), Halszither (Urs) und E-Bass (Adi) ist eine eher seltene Kombo.
16 Ein Lied des blinden Sängers Weiermann von Bern, nach einem Fliegenden Blatt von 1564. Die Melodie ist der Bruder-Klausen-Ton. (AL 38)
17 Der Reisebericht, wie ihn Hans Hostettler von Schwarzenburg 1831 aus seiner neuen Heimat, dem Erie County, an seine Verwandten schickte. Der Bericht aus den USA wurde bald gesungen und verbreitete sich mit verschiedenen Melodien im Bernbiet. (AL 128)
18 Im März 1798 marschierten zwei französische Armeen in Bernbiet ein. Während die Verteidiger bei Neuenegg den Angriff abwehrten, wurden ihre Stellungen im Grauholz überrannt, die Stadt Bern wurde besetzt. Das Lied eines frustierten Berner Soldaten.
19 Am 22. Dezember 1830 versammelten sich Abgeordnete aus dem ganzen Kanton Solothurn in Balsthal, um die Aristokratie durch eine demokratische Verfassung abzulösen. Die Geburtsstunde der radikalen Bewegung. Schreiber des Liedes ist der Leinenweber Johann Lüthy aus Oberbuchsiten. (AL 124)
20 Das alte Legendenlied wurde im Wallis am Georgstag (23.4.) an der Messe gesungen, leider immer kürzer, sodass die hinteren Strophen allmählich vergessen gingen. So viel ist handschriftlich aus dem 19. Jh. erhalten geblieben. (AL 23)


Die Noten, Texte und weitere Informationen im Buch 'Anderi Lieder' von Urs Hostettler und Stephan Bundi (Zytglogge), 2. Auflage 1992 (AL).


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